Gewässerentwicklung  
Naturnaher Gewässerausbau  
      Anlage eines Sieg-Altarmes (Hennef)

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Ausführungsplan
    Anlass und Ziel

Der Planfeststellungsbeschluss für den Hochwasserschutz im Zentralort Hennef setzte auf Grundlage des in unserem Büro erstellten Landschaftspflegerischen Begleitplans landschaftsrechtliche Ersatzmaßnahmen fest. So war u.a. auf der gegenüberliegenden Seite des Stadtzentrums ein Altarm anzulegen und das Umfeld naturnah zu gestalten.
Das Umweltamt der Stadt Hennef beauftragte unser Büro mit der Entwurfs- und Ausführungsplanung sowie mit der Bauleitung für die Renaturierungsmaßnahme.

Über den Ersatz für den o.g. Eingriff hinaus wird mit der "Wiederherstellung von Alt- und Seitenarmen der Sieg" ein explizites Ziel des Naturschutzgebietes "Siegaue" umgesetzt. Die Schaffung des Mangelhabitates für Fische an der Sieg dient dem Ziel der Schutzgebietsverordnung, des FFH-Gebietes "Sieg", aber auch der Wasserrahmenrichtlinie der EU, einen für das Fließgewässer typischen Bestand an Gewässerorganismen zu erhalten und zu entwickeln. Gleichzeitig trägt die Maßnahme zum wasserwirtschaftlichen Ausgleich von verlorengegangenem Retentionsraum bei.
Mit der Annäherung an das naturraumspezifische Leitbild und der Bündelung unterschiedlicher Interessen im Sinne des Auenschutzes leistet die Renaturierung weiterhin einen Beitrag zur Umsetzung der Ziele und Maßnahmen des Siegauenkonzeptes.
       

Schnitte zum Ausführungsplan
    Ausführungsplanung

Der Altarm wurde in einer vorhandenen Senke als ca. 5.000qm großes, sohlgleich angebundenes Nebengewässer der Sieg geplant. In zwei bestehenden Geländemulden wurden Tiefenzonen mit für das Überleben von Gewässerorganismen ausreichender Wassertiefe auch bei Niedrigwasser und im Winter frostfreiem Wasserkörper vorgesehen. Zwischen den Vertiefungen wurde das Sohlniveau an das der Sieg angeglichen, um die tieferen Bereiche nicht von der fließenden Welle abzuschneiden. Im östlichen Teil des Altarmes wurden Flachufer für die Ansiedlung von Röhricht und Wasserpflanzen geplant.
Die Böschungen oberhalb der Mittelwasserlinie waren mit dem aufgrund von Belastungen vor Ort wiederzuverwendenden Oberboden anzudecken und einzusäen. Auf der Maßnahmenfläche sollen als Initialpflanzung gruppenweise insgesamt 30 Hochstämme heimischer Laubbäume angepflanzt werden.
Westlich des Altarmes wurde eine temporär wasserführende Mulde geplant.
Die Flächen nördlich und südlich des Altarmes und der Mulde werden zur Einleitung einer günstigen Entwicklung zwei Jahre gepflegt und anschließend der natürlichen Entwicklung überlassen, auf den übrigen Flächen soll durch eine zweijährliche Pflegemahd eine Kräuter- und Hochstaudenflur entwickelt und erhalten werden.
Die Darstellung der Ausführungsplanung in Lage und Schnitten lieferte eine gute Grundlage für die Massenermittlung zur Ausschreibung der Arbeiten sowie für die Bauausführung.
       

Abtrag der mächtigen Auenlehm-Auflage
    Bauabwicklung: Abtrag der bindigen Bodenmassen

Mit den Baumaßnahmen wurde im April 2007 nach dem Ende der hochwassergefährdeten Zeit an der Sieg begonnen.
Im Naturschutz- und FFH-Gebiet "Sieg" waren die Arbeiten zügig und möglichst schonend, vor allem für den empfindlichen Flusslauf der Sieg, durchzuführen.

Aufgrund der mächtigen Auenlehm-Auflage in der Siegaue waren ca. 25.000 cbm Erdaushub abzufahren. Hierfür wurde eine ca. 190m lange Baustraße bis zu einem Wirtschaftsweg angelegt.
Nachdem der Oberboden im Baubereich abgeschoben und zum späteren Wiedereinbau zwischengelagert worden war, wurde zunächst die bindige Bodenschicht abgetragen und einer Verwertung zugeführt. Diese Arbeiten konnten aufgrund der trockenen Witterung im April zügig durchgeführt werden.
       

Abtrag bis auf Mittelwasser-Niveau
    Bauabwicklung: Abtrag bis Mittelwasser-Niveau

Im nächsten Schritt wurden die Böschungen bis auf Mittelwasserniveau der Sieg vorprofiliert. Das verbleibende Gelände unterhalb der Böschungen wurde komplett bis auf dieses Niveau abgetragen. Damit stand für den folgenden Aushub des Gewässers selbst eine "Eichbasis" für die Tiefenprofilierung zur Verfügung.
Anfallende Kiesmassen wurden einer Verwertung zugeführt.
       

Schutzdamm zur Sieg
    Bauabwicklung: Gewässerschutz

Die gekappten Gehölze im Einmündungsbereich des Altarms in die Sieg wurden an das Ufer des entstehenden Altarmes verpflanzt. Der dadurch geöffnete Anschluss an die Sieg wurde mit einem Kieswall wieder verschlossen, um beim weiteren Ausbaggern des Gewässers das Ausschwemmen von Feinmaterial in die Sieg und das Einschwimmen von Fischen in den Arbeitsbereich zu unterbinden.
       

Fertige Böschungen, Oberboden-Auftrag
    Bauabwicklung: Feinprofilierung der Böschungen

Da die Böschungen über der Mittelwasserlinie nun nicht mehr befahren werden mussten, wurden diese fertig ausgestaltet und mit dem zwischengelagerten Oberboden angedeckt.
Zum Schutz vor Erosion wurden die Flächen eingesät.
       

Herstellung des eigentlichen Gewässers
    Bauabwicklung: Aushub des Gewässers selbst

Nach der Fertigstellung der Böschungen wurde das eigentliche Gewässer vom Damm zur Sieg aus rückschreitend fertig ausgebaggert. Dabei wurde Wert auf eine geschwungene Uferlinie mit wechselndern Böschungsneigungen gelegt.
Direkt hinter dem Damm wurde das Gewässer ca. 1-1,5m tiefer ausgehoben als vorgesehen. Dieser Graben soll später die Kiesmassen des Dammes aufnehmen, damit diese nicht abgefahren werden müssen. Auch diese Maßnahme dient der Minimierung des Feinmaterialaustrages in die Sieg und dem Fischschutz.
Die gewonnenen Kiesmassen wurden zunächst seitlich zum Entwässern abgelagert und anschließend abgefahren und verwertet.
       

Altarm bei Hochwasser kurz vor Öffnung des Dammes
    Bauabwicklung: Fertigstellung des Erdbauwerkes, Pflanzarbeiten

Zum Abschluss der Erdbau-Arbeiten wurde die Baustraße zurückgebaut und die ursprüngliche Geländeform wieder hergestellt. Die Baustelleneinrichtung und -absicherung wurde komplett entfernt. Alle in Anspruch genommenen Flächen wurden als Grünland wieder hergerichtet.

Mit der Anpflanzung der Hochstämme im Frühjahr 2008 wurde die Ma├čnahme baulich abgeschlossen, die Überwachung der Fertigstellungs- und Entwicklungspflege erfolgte bis zur Endabnahme im Oktober 2010.
       
     

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